DLM18: Abschlussbericht

Die niedersächsische Vitrine (welche Vitrine?) ist um einen Pokal reicher: Hannes, Christian, Torben, Lara, Jan, Jeremy, Jana und Andreea-Alexandra sorgten im bayrischen Würzburg für ein Turnier nach Maß und holten mit 11 aus 14 möglichen Mannschaftspunkten den Titel Deutscher Ländermeister 2018. Das Turnier beginnt auch denkbar gut: Siege gegen Thüringen und Bayern I sorgen für eine Stabilität, die auch ein Unentschieden in Runde 3 gegen Nordrhein-Westfalen nicht ins Wanken bringt. Zu diesem Zeitpunkt heißen die bis dato ungeschlagenen und auch Setzranglistenersten Hessen, die den Niedersachsen in Runde 4 gegenübersitzen. Ein deutlicher Sieg mit 5.5 – 2.5 ist die Botschaft, die spätestens auch jetzt bei den anderen Mannschaften angekommen ist: Da sitzt ein Team, das den Titel will! Ab diesem Moment ist das Team um den Kapitän Hannes bereits alleiniger Erster, doch ein Selbstläufer soll es nicht werden.

Während der Auftaktsieg gegen Thüringen alles andere als sicher war und bereits dort zu sehen war, dass Thüringen eine tolle DLM wird spielen können, war der Sieg gegen Bayern I überraschenderweise tatsächlich wie aus einem Guss. Den ersten wichtigen DLM Karma-Moment gab es als Jeremy in total verlorener Stellung lange weiterspielte, aber alle bis nach 20:00 Uhr auf ihn warteten. 65. … Txf5. Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen!

Das Unentschieden gegen Nordrhein-Westfalen wirkte eher wie ein Punktverlust als ein Punktgewinn, da es für die Mannschaft lange Zeit sehr gut aussah. Lara hatte die Möglichkeit einige tolle, fast unmöglich zu sehende Kombinationen zu spielen, Jana ließ Chancen aus und Andreea-Alexandra spielte wie eigentlich das ganze Turnier eine super Partie, aber agierte unglücklich und wurde leider nicht mit einem Remis gegen ihre sehr starke Gegnerin belohnt. Des Weiteren hatte man lange gehofft, dass Torben sein besseres Endspiel irgendwie gewinnen könnte. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass Christian vollkommen auf Verlust stand und am Ende sogar noch gewann – daher war es evtl. doch ein gerechtes Unentschieden. Der gefühlte Punktverlust motivierte aber die gesamte Mannschaft sich auf das nächste Spiel gegen den Titelfavoriten Hessen einzuschwören. Als dann Torben und Lara an den für uns vor der Runde kritisch eingeschätzten Brettern gewannen war klar, dass es ein hoher Sieg werden wird. Den zweiten wichtigen DLM Karma-Moment gab es dann als wir abends in der Ferienwohnung das Mannschaftsfoto aufnahmen und sich die Mannschaft ohne Kenntnis vom Karma für die Stellung nach 26. Txg7 entschieden hat.

Bei einem knappen Sieg gegen Schleswig-Holstein heißt der Man-of-the-Match wohl Jan, der sich dem Trend eines Unentschiedens der sieben anderen Tische widersetzte und seinen Gegner als einziger bezwang. 4.5 – 3.5!

#FakeNews Entgegen der im Internet aufgetauchten Vermutung, muss ich nun leider bekanntgeben, dass wir für keine Runde einen offiziellen Matchplan gehabt haben. Vielmehr gab es nur zur letzten Runde den Matchplan „4,5 Punkte, egal wie, egal wo“ – warum dieser obendrein auch noch schlecht war, wird der Leser am Ende des Artikels erfahren. Vor dem Turnier wurde der Mannschaft gesagt, dass sie genug Erfahrung haben, alle schon gezeigt haben, was es bedeutet in einer Mannschaft zu spielen und jederzeit selbst entscheiden dürfen, ob und wann sie Remis vereinbaren wollen. Sie sollten sich selbst organisieren und bei Zweifel bitte den Mannschaftsführer fragen. Dies führte dann im Turnier auch zu der kuriosen Situation, dass Hannes gefragt wurde, ob man aufgeben dürfe. Selbstredend (!) wurde Hannes nach dem Mannschaftskampf von allen für die sieben Remis gefeiert.

Zwei Mannschaftspunkte und drei Brettpunkte Vorsprung bei noch zwei ausstehenden Runden, manch einer sah sich vielleicht bereits mit der Schale durch das Stadion laufen, bei Blitzlichtgewitter und einer Millionen – Gage. #FakeNews Die Spieler und Spielerinnen entrichteten einen Eigenanteil dafür, dass sie für Niedersachsen spielen dürfen und wurden mit „Brot“ und Schachspiele bei Laune gehalten. Das Team Baden I holte die Niedersachsen hingegen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück durch einen denkbar knappen Sieg (4.5 – 3.5). Die Situation der letzten Runde könnte dramatischer also kaum sein: Zwar immer noch erster, dennoch theoretisch auch die Möglichkeit, vom 10. platzierten überholt zu werden: Eine Menge Arbeit für die Trainer Dmitrij und Daniel, die jedoch schlussendlich die richtigen Mittel gefunden zu haben: Mit einem frühen 6.5 – 1.5 Sieg gegen Sachsen-Anhalt ersticken alle Zweifel im Keim und bringen den Titel wieder zurück nach Niedersachsen!



Die richtigen Mittel bestanden unter anderem darin, die Mannschaft zum erstmaligen Abendessen in der Jugendherberge zu verdonnern und die Spieler die von Baden I noch nicht auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden durch *** – was in Würzburg passiert, bleibt in Würzburg – auf diesen zurückzuholen.
Die Auslosung meinte es gut mit uns! Im Lostopf befanden sich die Mannschaften aus Sachsen I, Sachsen-Anhalt, Baden II und Württemberg I. Während man in Baden hoffte, dass auch die zweite Mannschaft noch gegen Niedersachsen spielen und dann auch gewinnen wird, war man in Niedersachsen sehr froh, dass es Sachsen-Anhalt wurde. Einerseits hätte eine letzte Runde gegen Baden II vermutlich dazu geführt, dass ich meine sehr geschätzte Baden-Jacke öffentlich hätte verbrennen müssen, andererseits war nur gegen Sachsen-Anhalt der dritte Karma-Moment überhaupt möglich.

Als Niedersachsen die DLM zuletzt im Jahr 2011 gewann, war es Fiona, die ihre bereits verloren geglaubte Partie zum 4,5 – 3,5 gegen Hessen rettete und den Titel sicherte ( … auch hier spielte ein Turm eine gewichtige Rolle … ) … beim Stand von 4 zu 0 erkannten Hannes und Fiona die Zeichen der Zeit und vereinbarten (in einer für Hannes besseren Stellung) remis um den Titel abzusichern. Erst nachdem der Mannschaftskampf schlussendlich mit 6,5 – 1,5 gewonnen wurde, ist uns aufgefallen, dass ein 4,5 – 3,5 Sieg und sogar ein 5 – 3 Sieg gar nicht gereicht hätten. Gott sei Dank erzielten die beiden letzten laufenden Partien mit Hilfe der Türme noch 1,5 Punkte. Lara erreichte dank 26. Te7 ein Remis und Andreea-Alexandra gewann zum Abschluss dem Karma entsprechend ihr Turmendspiel mit einem Turm mehr.

Manch einer (der Autor dieses Artikels zum Beispiel) mag sich noch daran erinnern, dass der letzte DLM-Titel im Jahre 2011 in Xanten eingefahren wurde. Und dazwischen? In den letzten 6 Jahren wurde das Turnier durchgehend in unserem Bundesland ausgetragen. Für mindestens ein Jahr können wir als guten Gewissens behaupten, ein Auswärtsteam zu sein 🙂

Ob ich mich, nur weil ich die Ruhmeshalle auf dieser Seite pflege, als kundiger Verbandshistoriker qualifiziere mag ich nicht zu beurteilen. Während der Zeit in Hannover und insbesondere Dank dem Engagement von „Mister DLM“ Jan Krensing ist die DLM nun auch in Würzburg das was sie wirklich sein sollte. Ein Auswahlturnier (fast) aller Bundesländer. Daher kann ich durchaus nachvollziehen, dass der DLM-Titel 2018 sportlich höherwertiger einzuschätzen ist als vorherige DLM-Titel. Aber ein DLM-Titel ist und bleibt ein DLM-Titel – unabhängig der quantitativen und / oder qualitativen Besetzung des Turniers. Ursprünglich war der DLM-Titel ja erst für das Jahr 2019 geplant. Inwiefern es nun mit dem Projekt DLM 2019 weitergeht wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Die Mannschaft wird nahezu identisch im nächsten Jahr wieder in Würzburg antreten können und vielleicht ist dann auch Jari wieder dabei, der dieses Jahr leider absagen musste, da er sich im Ausland aufhält.

Somit verblieb nach der Siegerehrung nur noch die Frage nach der niedersächsischen Vitrine offen. Der Verbleib des Pokals für den 3. Platz 2013 konnte geklärt werden, auch das Schicksal des aktuelles Pokals wurde von der Mannschaft dem Karma entsprechend bestimmt, aber wo befindet sich eigentlich der Siegerpokal der DLM 2011?

Die Bedeutung des Karmas und dass der Turm die Karma-Figur ist dürfte nun jedem einleuchten, aber warum die Zahl 3 die Karma-Zahl ist. Wieso schon zwei Leute am Montag vor einer Woche von dem Titel überzeugt waren als diese gewürfelt wurde, wieso Torben ausgerechnet an Brett 3 spielte und den höchsten DWZ Gewinn der Mannschaft erzielte, warum alle guten Dinge drei sind und viele weitere Fragen würden den Rahmen des Abschlussberichtes sprengen und werden evtl. in künftigen Beiträgen erörtert.

#Karma
#KeinMatchplan
#NurDieEintrachtGewinntInHannover
#Danke
#Schlauberger

P. S.
Philipp hat mich gebeten seinen Bericht um Kommentare und Fotos zu ergänzen. Meine Kommentare sind entsprechend gekennzeichnet.

P. P. S.
Offensichtlich beinhaltet dieser Abschlussbericht eine Vielzahl von nicht ernstzunehmenden Passagen. Einige davon sind in ihrer Vollständigkeit nur zu verstehen, sofern man vor Ort gewesen ist. Beispielsweise #ColaTrinken und #KeinMittagessen würde niemand von Außen verstehen können, aber die Mannschaft total witzig finden. So ist auch mit Eintracht keiner der beiden Fußballvereine gemeint, sondern dass es in Hannover leider nie gelungen ist so eine tolle Atmosphäre zu kreieren wie in den Tagen in Würzburg. Insbesondere der Zusammenhalt und die Stimmung der Mannschaft waren in meinen Augen die entscheidenden Faktoren für den Titelgewinn.
Sofern sich jemand durch den Abschlussbericht angegriffen fühlt, kann er mich sehr gerne kontaktieren. Ich kann versichern, dass es völlig unpassend wäre, so einen Erfolg dazu zu missbrauchen und keine Stelle existiert die jemanden beleidigen soll.
Zum besseren Verständnis empfehle ich auch noch die netten Berichte zur DLM auf der Seite https://schach-hellern.de – Auch wenn die Analysen nicht immer die vollständige Zustimmung von Dmitrij und Mir erhielten, ist es schön, dass sich Menschen die Mühe machen tagtäglich Berichte zu schreiben und Partien zu analysieren. Insbesondere den letzten Teil „Der Rechenschieber blieb in der Schublade“ fand ich sehr schön, da auch dort die Mannschaft als Ganzes im Vordergrund steht!

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