Jugend Europameisterschaft 2021 in Hybrid

Vom 15. – 21. Oktober fand die Jugend-Europameisterschaft statt. Unter einem Teilnehmendenfeld von 900 Jugendlichen waren 36 aus Deutschland, wobei mit Johannes von Mettenheim und Jeremy Hommer zwei Spieler aus Niedersachsen mit von der ‚virtuellen‘ Partie waren. Wie auch im letzten Jahr wurde coronabedingt wieder online gespielt, wenngleich sich die Spielerinnen und Spieler der Länder zuvorderst in einer Stadt ihres jeweiligen Landes trafen. Neben „venues“ in Nikosia, Wien oder auch Lissabon spielte Schwarz-Rot-Gold in Apolda. Wie es unseren zwei Spielern erging erfahrt ihr hier!

Das Team der Deutschen Schachjugend mit Johannes (mit Maske) und Jeremy (links neben Johannes, mit Brille). Bildquelle: Chessbase.com.

Johannes von Mettenheim

Johannes trat in der Altersklasse U14 des Turniers an. Mit einem Elo-Rating von 2062 bedeutete dies Startrang 25 von 91 Teilnehmern, weshalb Johannes in der Logik des Schweizer-Systems einem vermeintlich einfachen Gegner in Runde 1 zugelost werden sollte. Die Partie gegen Fedor Kalashnikov (Elo: 1546) aus Russland hatte es dabei in sich, wie die Stellung nach 23…g4 aufzeigt:   

Fotoquelle: chess24.com. Hierüber sind übrigens auch sämtliche Partien des Turniers einzusehen. 

Nach 24. hxg4 und dem anschließenden 24… Lxe4 fing das Brett an zu brennen. Der Spieler aus Russland konnte aus niedersächsischer Sicht leider den besseren Überblick über das komplizierte Spiel bewahren und bezwang Johannes überraschend. Das Spiel könnt ihr euch über den obigen chess24 Link anschauen.

Wer jedoch glaubte, dass die Niederlage den Spieler des HSK Lister Turm aus der Bahn werfen könnte, sollte sich täuschen: Mit drei anschließenden Siegen konnte sich Johannes wieder nach oben in der Tabelle bringen und befand sich nun auf dem geteilten 6. Platz. 

In Runde 5 kamen daher auch wieder die stärkeren Gegner. Gegen den Setzranglisten-Fünften Diego Vergara Anton aus Spanien konnte Johannes mit schwarz zunächst seine Verteidigungskünste unter Beweis stellen und holte nach einem 86 zügigen Schlagabtausch ein Unentschieden heraus. Selbiges Resultat stand auch eine Runde später auf dem Ergebniszettel, als Johannes und sein slowenischer Gegner eine Zugwiederholung eingingen. 3 Runden vor Schluss waren also 4 Punkte erspielt und mit dem geteilten 13. Rang war sicherlich noch einiges möglich. Dafür musste in Runde 7 jedoch etwas zählbares gegen den zahlenmäßig etwa gleichstarken Flawian Krawczyk aus Polen her.

Auch diese Partie war alles andere als langweilig: Zwar hatte Johannes schon relativ früh einen Bauern weniger, jedoch konnte dies im Ansatz durch aktivere Figuren kompensiert werden. Der Angriff, bei dem noch ein weiterer Bauer abhanden ging, ging jedoch leider nicht auf und allmählich gewann Krawczyk die Oberhand. Ein taktisches Manöver verkürzte die Angelegenheit schließlich und brachte unseren Spieler zur Aufgabe dieses Spiels. 

Nach dieser richtungsweisenden Partie gerieten die vorderen Plätze zwar außerhalb des Sichtfeldes, dennoch fing sich Johannes schnell und holte zum Schluss 1.5/2 Punkte. Damit steht Schlussrang 23, der im Hinblick auf die erste Runde sicherlich ausbaufähig gewesen wäre, der im Gesamten und unter Einbezug der (Corona-)Bedingungen aber mit Sicherheit auch positive Rückschlüsse ziehen lässt. Plus: Johannes war bester Deutscher in seiner Altersklasse!

Jeremy Hommer

Jeremy – ihr werdet euch erinnern – holte vor kurzem Gold bei der Deutschen Jugend Einzelmeisterschaft in der Altersklasse U16. Entsprechend aufmerksam wurde das Umfeld auf den 15-jährigen Spieler, der sich zuletzt einen Eintrag im goldenen Buch der Stadt Lüneburg sichern durfte. Die Ausgangslage: Startranglistenplatz 10 (Elo: 2272) bei der U16-Europameisterschaft mit insgesamt 64 Teilnehmern. Ready? Here we go!

Auch Jeremy traf zunächst auf vermeintlich schwächere Spieler. Während er in Runde 1 vor allem auf taktischem Wege gewann, glich die Gewinnpartie in Runde 2 einem eher strategischen Spiel. Runde 3 an Brett 3 sollte jedoch kein ‚aller guten Dinge sind drei‘ einbringen. Gegen FM Tymon Czernek aus Polen (Elo: 2163) setzte es eine bittere Niederlage, die vor allem auf die folgende Stellung nach 24. Sxe6 zurückzuführen ist:

Fotoquelle: chess24.com

Nachdem weiß den schwarzen Springer auf e6 abtauschen wollte, schlug Jeremy nicht sofort auf e6 zurück, sondern hoffte mit dem Zwischenzug 24… Lxd3 vermutlich darauf, die weiße Bauernstruktur schwächen zu können. Weiß schlug jedoch nicht auf d3 zurück sondern spielte seinerseits den Zwischenzug Sg5. Nun war nicht nur der wichtige Bauer auf f7 sondern auch der Läufer auf d3 bedroht, wodurch sich die Stellung aus schwarzer Sicht deutlich verschlechterte. Wenige Züge später musste sich Jeremy leider geschlagen geben. 

Es folgte eine taktisch sehr interessante Partie in Runde 4, die Jeremy für sich entscheiden konnte und mit dem geteilten fünften Platz bei 3 aus 4 Punkten auch ordentlich im Turnier vertreten war. In der nun anschließenden, fünften Runde sollte der Lüneburger seinem zahlenmäßig stärksten Gegner ‚gegenübersitzen‘: Der Spanier Alex Garrido Outon (Elo: 2433) hatte seine erste Partie im Turnier zwar verloren, sich jedoch anschließend in einen Siegesrausch gespielt und letztlich auch vor Jeremy keinen Halt gemacht. Dabei wurde die Partie relativ schnell bereits ziemlich unübersichtlich. Schenkt man der Computerengine von chess24 sein Vertrauen, sorgten bereits eher unwesentlich erscheinende Züge Jeremys für eine signifikante Verschlechterung seiner Stellung, die leider auch im Verlust dieser Partie mündeten. 

Bereits nach wenigen Zügen remisierte Jeremy in der nachfolgenden Runde gegen seinen Deutschland-Kollegen Dominik Laux, und leider sollte es auch in den folgenden Runden nicht mehr reichen, um Anschluss an das Spitzenfeld zu erlangen: Runde 7 und 8 verliert der Spieler aus Niedersachsen, immerhin die letzte Runde gewann Jeremy und landete damit auf Rang 31.

Turniersieger der U16 wurde übrigens Alexander Krastev von der SG Solingen. In der U20w konnte zudem ein altbekanntes Gesicht aus Niedersachsen den Titel für sich entscheiden, denn Lara Schulze wurde Europameisterin dieser Altersklasse. Herzlichen Glückwunsch an Alexander und Lara!

Wer sich noch weiter ins Turnier einlesen möchte, dem seien folgende Webseiten und Artikel ans Herz gelegt:

 

 

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